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„Eine gute Berufsausbildung wird immer wichtiger“

Durch die Digitalisierung verändert sich die Arbeitswelt – Menschen mit Behinderung können davon profitieren.

Rummelsberg – Die Digitalisierung schreitet immer weiter voran, auch die Arbeitswelt ist davon betroffen und alle Arbeitnehmer müssen sich darauf einstellen. Welche Konsequenzen das für Menschen mit Behinderung hat, darüber sprach Prof. Dr. Werner Widuckel in seinem Vortrag „Arbeiten 4.0 – eine Chance für Menschen mit Behinderung?“ am Berufsbildungswerk Rummelsberg.

Prof. Dr. Werner Widuckel lehrt an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg Personalmanagement und Arbeitsorganisation. „Arbeiten 4.0 betrifft alle Bereiche, nicht nur die Industrie“, sagte Widuckel. Besorgungen werden zum Beispiel nicht mehr nur im Einzelhandelsgeschäft vor Ort erledigt, sondern online, und auch Versicherungen können online abgeschlossen werden, ganz ohne Vertreter. Durch die Digitalisierung verändern sich sowohl die Geschäftsmodelle, als auch die Arbeitsabläufe und Arbeitsbedingungen. Der Einkauf beim großen Online-Versandhändler kann für den Käufer bequem sein, der Paketbote und seine Arbeitsbedingungen profitieren davon aber nicht. Jeder sollte daher reflektieren, welche Folgen der Kauf hat – für das Leben anderer und sein eigenes: „Was passiert mit meinen Daten?“, fragte Werner Widuckel. Bildung, auch Medienbildung, ist daher in der digitalen Arbeits- und Lebenswelt wichtig.

Durch die Digitalisierung werde sich der soziale Status der Arbeitnehmer weiter differenzieren, sagte Widuckel. Der Paketbote steht dem Software-Programmierer gegenüber. Außerdem gebe es mehr Berufe, die spezialisierter sind. „Eine gute Berufsausbildung wird immer wichtiger“, sagte der Professor. Neben dem Wissen aus der Berufsausbildung, kommt es aber auch darauf an, das Wissen in fremden Situationen anwenden zu können. Menschen mit Behinderung müssen darauf vorbereitet werden, auch auf eine Lernbereitschaft nach der Ausbildung.

Fehlen die nötigen Kompetenzen, besteht die Gefahr, dass Arbeitnehmer abgehängt und sie in schlecht bezahlte Bereiche abgedrängt werden. Dieses Risiko besteht auch für Menschen mit Behinderung. Für sie ergeben sich durch die Digitalisierung aber auch viele Chancen. So gibt es bessere und günstigere Technik, die ihnen sowohl im Alltag, als auch bei der Arbeit hilft. Tätigkeiten können flexibler auf die Personen zugeschnitten werden. Durch die Vernetzung ist es zum Beispiel möglich, von zuhause aus zu arbeiten. Das alles fördert die Integration und soziale Teilhabe.

Für eine gelingende Teilhabe, müssen Voraussetzungen erfüllt werden. Werner Widuckel nannte als ersten Punkt: „Man muss etwas über die Menschen wissen.“ Menschen mit einer Behinderung dürfen nicht über einen Kamm geschoren werden. Die Behinderungen und die sich daraus ergebenden Bedürfnisse sind sehr unterschiedlich. Integration kann nur mit Beteiligung der Betroffenen gelingen. Zudem muss es eine inklusive Unternehmenskultur und entsprechende personalpolitische Zielsetzungen geben.

Werner Widuckel warb dafür, die Herausforderungen anzunehmen und Menschen mit Behinderung mit in eine digitale Arbeitswelt zu nehmen. Er schlug vor, Interessenskoalitionen zu schaffen, zum Beispiel mit Eltern und Gewerkschaften. Dadurch könnten auch politische Entscheidungen beeinflusst werden. Und zu guter Letzt, müsse man mit gutem Beispiel vorangehen und damit werben.

von Claudia Kestler

Prof. Dr. Werner Widuckel sprach am Berufsbildungswerk Rummelsberg über die Zukunft der Arbeit. Foto: Claudia Kestler